Ein Dekubitus, umgangssprachlich auch Wundliegen oder Druckgeschwür genannt, gehört zu den häufigsten Komplikationen bei Menschen mit stark eingeschränkter Beweglichkeit. Besonders betroffen sind pflegebedürftige Personen, die über längere Zeit im Bett liegen oder dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Auch nach schweren Erkrankungen oder Operationen kann das Risiko deutlich steigen.

Nach der internationalen Definition handelt es sich bei einem Dekubitus um eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Sie entsteht, wenn die betroffene Stelle über längere Zeit durch äußeren Druck auf die Haut – oft in Kombination mit Scherkräften –  belastet wird. Vor allem über Knochenvorsprüngen wird das umliegende Gewebe dabei nicht mehr ausreichend durchblutet.

Der Begriff Wundliegen beschreibt die Erkrankung zwar anschaulich, greift jedoch zu kurz. Ein Dekubitus betrifft nicht nur die Hautoberfläche. Bereits bevor äußerlich Veränderungen sichtbar werden, können in tieferen Gewebeschichten Zellen geschädigt oder zerstört sein. Deshalb wird ein Druckgeschwür häufig erst erkannt, wenn der eigentliche Gewebeschaden bereits fortgeschritten ist.

Für Betroffene bedeutet ein Dekubitus oft Schmerzen, eine langwierige Behandlung und eine eingeschränkte Lebensqualität. Pflegende Angehörige stehen gleichzeitig vor der Herausforderung, gefährdete Hautstellen frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Vorbeugung umzusetzen. Je früher ein erhöhtes Risiko erkannt wird, desto besser lässt sich die Entstehung eines Druckgeschwürs verhindern. Dies ist auch ein zentraler Baustein der Qualitätsentwicklung in der Pflege.

Was passiert bei einem Dekubitus im Gewebe?

Ein Dekubitus entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schrittweise. Ausgangspunkt ist eine länger anhaltende Druckbelastung, die die feinen Blutgefäße im Gewebe zusammendrückt. Dadurch gelangen Sauerstoff und Nährstoffe nicht mehr in ausreichender Menge zu den Zellen.

Wenn die Durchblutung unterbrochen wird

Unser Gewebe ist auf eine kontinuierliche Blutversorgung angewiesen. Über winzige Blutgefäße, die sogenannten Kapillaren, werden Haut, Fettgewebe und Muskulatur ständig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig transportiert das Blut Stoffwechselprodukte zurück.

Wirkt über längere Zeit ein hoher Druck auf eine Körperstelle, werden die feinen Gefäße zusammengedrückt. Die Durchblutung nimmt ab oder kommt vollständig zum Erliegen. Fachleute sprechen dann von einer Ischämie, also von einer unzureichenden Blutversorgung des Gewebes.

Bereits nach kurzer Zeit reagieren die Zellen auf den Sauerstoffmangel. Können sie nicht mehr ausreichend versorgt werden, stellen sie ihre normale Funktion ein und sterben schließlich ab. Dieser Vorgang wird als Nekrose bezeichnet. Das abgestorbene Gewebe kann sich nicht mehr selbst regenerieren und bildet die Grundlage für ein Druckgeschwür.

Wie schnell dieser Prozess abläuft, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Stärke des Drucks spielen die Dauer der Belastung sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen eine wichtige Rolle.

Warum Druck allein nicht die einzige Ursache ist

Lange Zeit galt Druck als alleinige Ursache eines Dekubitus. Heute weiß man, dass ein starker Druck von außen nicht die einzige Belastung ist, sondern dass mehrere Faktoren gleichzeitig wirken können.

Eine wichtige Rolle spielen Scherkräfte. Sie entstehen, wenn sich Haut und tiefer liegende Gewebeschichten gegeneinander verschieben. Das passiert beispielsweise, wenn eine Person im Bett langsam nach unten rutscht oder beim Hochziehen über das Laken hinweggezogen wird. Während die Haut an der Unterlage haftet, verschieben sich Fettgewebe und Muskulatur im Körperinneren. Dadurch werden die Blutgefäße zusätzlich abgeknickt oder gedehnt.

Auch die kleinsten, wiederkehrenden Bewegungen können das Gewebe belasten. Solche Mikrobewegungen fallen im Alltag kaum auf, summieren sich jedoch über Stunden hinweg und verstärken die mechanische Beanspruchung.

Hinzu kommt das sogenannte Mikroklima der Haut. Darunter versteht man die Bedingungen unmittelbar an der Hautoberfläche. Feuchtigkeit durch Schweiß, Urin oder Stuhlgang weicht die obersten Hautschichten auf. Die Haut wird empfindlicher gegenüber Druck und Reibung und verliert dabei einen Teil ihrer natürlichen Schutzfunktion. Fachleute sprechen hierbei von einer Mazeration, also einer Aufweichung der Haut durch anhaltende Feuchtigkeit.

Gerade bei Menschen mit Harn- oder Stuhlinkontinenz gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Moderne Inkontinenzhilfsmittel sollen deshalb nicht nur Flüssigkeit aufnehmen, sondern auch die Haut möglichst trocken halten und ein günstiges Hautklima unterstützen. Dadurch lässt sich das Risiko zusätzlicher Hautschäden verringern.

Wie entsteht ein Dekubitus?

Ein Druckgeschwür entwickelt sich selten aus einem einzelnen Ereignis. Meist kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen. Entscheidend sind dabei die Dauer der Belastung, die Art der mechanischen Einwirkung und die Widerstandsfähigkeit des Gewebes.

Der Einfluss der Druckdauer

Nicht jeder Druck führt automatisch zu einem Dekubitus. Bei Personen, die nur kurzzeitig auf einer Körperstelle liegen oder sitzen, kann sich das Gewebe in der Regel wieder vollständig erholen.

Bleibt der Druck jedoch über längere Zeit bestehen, werden die Blutgefäße dauerhaft zusammengedrückt. Die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich zunehmend, und die Zellen beginnen, Schaden zu nehmen. Deshalb ist neben der Stärke des Drucks auch die Belastungsdauer relevant.

Aus diesem Grund gehören regelmäßige Lagewechsel und möglichst häufige Eigenbewegungen zu den wichtigsten Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe.

Scherkräfte und Reibung richtig unterscheiden

Die Begriffe Reibung und Scherkräfte werden häufig gleichbedeutend verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche Vorgänge.

  • Reibung entsteht an der Hautoberfläche. Sie tritt beispielsweise auf, wenn eine Ferse über das Bettlaken rutscht oder die Haut beim Umsetzen über eine Unterlage hinweggezogen wird. Dadurch können oberflächliche Hautverletzungen entstehen.
  • Scherkräfte wirken dagegen im Inneren des Gewebes. Sie entstehen, wenn sich verschiedene Gewebeschichten gegeneinander verschieben. Blutgefäße werden dabei verformt oder abgeknickt, obwohl die Hautoberfläche zunächst unverändert aussieht. Gerade diese tiefen Gewebeschäden machen einen Dekubitus häufig so tückisch.

Die Gewebetoleranz – warum nicht jeder Mensch gleich empfindlich für einen Dekubitus ist

Warum entwickelt der eine Mensch bereits nach kurzer Zeit einen Dekubitus, während ein anderer selbst bei ähnlicher Belastung keine Hautschäden zeigt?

Der wesentliche Unterschied liegt in der Gewebetoleranz. Sie beschreibt die Fähigkeit der Haut, des Fettgewebes und der Muskulatur, Druck und Sauerstoffmangel über einen bestimmten Zeitraum hinweg auszugleichen.

Ist die Durchblutung eingeschränkt oder ist das Gewebe bereits vorgeschädigt, sinkt die Widerstandsfähigkeit. Auch ein höheres Alter, Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen, Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel oder ausgeprägte Ödeme können die Gewebetoleranz deutlich herabsetzen. Dasselbe gilt für Erkrankungen, die die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigen.

Welche Menschen besonders gefährdet sind

Grundsätzlich kann jeder Mensch einen Dekubitus entwickeln. Das Risiko steigt jedoch deutlich, wenn mehrere belastende Faktoren gleichzeitig vorliegen.

Verminderte Mobilität

Der wichtigste Risikofaktor ist eine eingeschränkte Beweglichkeit. Wer seine Körperposition nicht selbstständig verändern kann, entlastet gefährdete Hautstellen deutlich seltener.

Besonders gefährdet sind deshalb bettlägerige Menschen, dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesene Personen sowie Patienten, die sich kaum oder gar nicht bewegen können und nach Operationen oder auf der Intensivstation über längere Zeit sediert werden. Auch Menschen, die aufgrund einer Erkrankung unter starken Schmerzen leiden, vermeiden häufig unbewusst Bewegungen, wodurch einzelne Körperbereiche dauerhaft belastet werden.

Erkrankungen mit erhöhtem Risiko

Verschiedene Erkrankungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Dekubitus zusätzlich. Dazu gehören Diabetes mellitus und Gefäßerkrankungen, die die Durchblutung beeinträchtigen. Auch neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose oder Querschnittslähmungen gehen häufig mit einer verminderten Beweglichkeit oder einer eingeschränkten Wahrnehmung von Druck und Schmerzen einher.

Wer Druckstellen nicht rechtzeitig spürt, weil das Schmerzempfinden gestört ist, oder seine Körperhaltung nicht selbst verändern kann, entwickelt leichter Gewebeschäden.

Weitere Risikofaktoren

Neben der Mobilität beeinflusst auch der allgemeine Gesundheitszustand das Dekubitusrisiko. Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel und Untergewicht schwächen die Regenerationsfähigkeit der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Gleichzeitig kann auch starkes Übergewicht problematisch sein, weil dadurch höhere Druckbelastungen auf einzelne Körperregionen entstehen und das Risiko für ein Druckgeschwür maßgeblich steigt. Diese Faktoren gelten als klassische Risikofaktoren für einen Dekubitus.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist die Inkontinenz. Bleibt die Haut über längere Zeit mit Urin oder Stuhl in Kontakt, weicht sie auf und wird anfälliger für Druck- und Scherkräfte. Eine sorgfältige Hautpflege und gut angepasste Inkontinenzhilfsmittel tragen deshalb wesentlich dazu bei, die natürliche Schutzfunktion der Haut zu erhalten.

Auch das Lebensalter spielt eine Rolle. Mit zunehmendem Alter verliert die Haut an Elastizität, wird dünner und regeneriert sich langsamer. Dadurch steigt die Empfindlichkeit gegenüber anhaltender Druckbelastung.

Gefährdete Körperstellen eines Dekubitus

Ein Dekubitus entsteht bevorzugt an Körperstellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen. Dort verteilt sich das Körpergewicht auf eine vergleichsweise kleine Fläche. Das darunterliegende Gewebe wird zwischen Knochen und Matratze, dem Rollstuhlsitz oder einer anderen Unterlage zusammengedrückt. Je länger diese Druckbelastung anhält, desto größer ist das Risiko einer Gewebeschädigung.

PositionBesonders gefährdete Körperstellen
RückenlageHinterkopf, Schulterblätter, Wirbelsäule, Ellenbogen, Kreuzbein, Fersen
SeitenlageOhr, Schulter, Rippen, Hüfte, Außenseite des Oberschenkels, Knie, Knöchel
BauchlageStirn/Wange, Brustbein, Rippen, Beckenkämme, Knie, Zehen
Sitzende PositionSitzbeinhöcker, Steißbein, Fersen (bei dauerhafter Fußstütze)

Welche Körperregionen besonders gefährdet sind, hängt vor allem von der jeweiligen Liege- oder Sitzposition ab.

Rückenlage

In Rückenlage treten die höchsten Druckbelastungen typischerweise am Hinterkopf, an den Schulterblättern, entlang der Wirbelsäule, am Kreuzbein sowie an den Fersen auf. Vor allem das Kreuzbein zählt zu den häufigsten Prädilektionsstellen eines Dekubitus, da hier nur wenig Weichteilgewebe zwischen Knochen und der Unterlage liegt.

Auch die Ellenbogen können bei längerer Ruhigstellung gefährdet sein, insbesondere wenn sie dauerhaft auf einer harten Unterlage aufliegen.

Seitenlage

In der Seitenlage verlagert sich die Druckbelastung auf die Schulter, die Rippen, die Hüfte, die Außenseite des Oberschenkels, das Knie und den Knöchel.

Heute wird in der Pflege häufig die sogenannte 30-Grad-Lagerung eingesetzt. Dabei liegt der Körper leicht schräg und nicht vollständig auf der Seite. Dadurch verteilt sich das Körpergewicht auf eine größere Fläche, während besonders gefährdete Knochenvorsprünge entlastet werden. Diese Lagerung gilt bei vielen pflegebedürftigen Menschen als gewebeschonender als die früher häufig verwendete 90-Grad-Seitenlage.

Bauchlage

Auch in Bauchlage können Druckgeschwüre entstehen. Gefährdet sind vor allem die Stirn, die Wange, das Brustbein, die Rippen, die Beckenkämme, die Knie sowie die Zehen.

Diese Lagerung kommt vor allem in der Intensivmedizin zum Einsatz und erfordert eine sorgfältige Kontrolle sämtlicher Auflageflächen, da viele gefährdete Hautstellen nur eingeschränkt sichtbar sind.

Sitzende Position

Wer täglich viele Stunden sitzt, belastet andere Körperbereiche als liegende Menschen. Besonders gefährdet sind die Sitzbeinhöcker, das Steißbein sowie die Fersen, wenn die Füße dauerhaft auf einer Fußstütze ruhen.

Rollstuhlfahrer haben ein erhöhtes Risiko, da sie häufig über längere Zeit dieselbe Sitzposition einnehmen. Spezielle Sitzkissen und regelmäßige Druckentlastungen durch Umlagern oder kurzes Anheben des Gesäßes helfen, die Belastung gleichmäßiger zu verteilen.

Die Stadien des Dekubitus nach internationaler Klassifikation

Dekubitalgeschwüre werden heute nach der internationalen Klassifikation des European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) und des National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP) eingeteilt. Dabei spricht man von Kategorien und nicht mehr von Graden. Die Einteilung beschreibt, wie stark das darunter liegende Gewebe bereits geschädigt wurde.

  • Kategorie 1: Die Haut ist noch vollständig erhalten, weist jedoch eine umschriebene, anhaltende Rötung auf. Charakteristisch ist, dass sich diese Rötung in Stadium 1 auch bei leichtem Druck nicht aufhellt. Häufig fühlen sich die betroffenen Hautstellen wärmer oder kälter an als die Umgebung und können schmerzhaft oder verhärtet sein. Gerade bei Menschen mit dunkler Hautfarbe fällt eine Rötung nicht immer deutlich auf. Hier sind Veränderungen der Hauttemperatur oder -festigkeit oft die ersten Anzeichen.
  • Kategorie 2: In dieser Phase liegt bereits ein oberflächlicher Hautdefekt vor. Betroffen sind die Oberhaut (Epidermis) und Teile der Lederhaut (Dermis). Der Dekubitus zeigt sich häufig als flache offene Wunde, Blase oder nässende Hautverletzung. Bei optimaler Versorgung kann diese Kategorie innerhalb weniger Wochen abheilen.
  • Kategorie 3: In diesem Stadium ist die gesamte Haut zerstört. Der Gewebeschaden reicht bis ins Unterhautfettgewebe, ohne dass Muskeln, Sehnen oder Knochen sichtbar sind. Je nach Körperregion kann die Wunde unterschiedlich tief eindringen. An Stellen mit wenig Unterhautfettgewebe, etwa an den Ohren oder Knöcheln, wirken auch schwere Defekte vergleichsweise flach.
  • Kategorie 4: Hier reicht die Gewebeschädigung bis in tiefer liegende Strukturen. Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln oder Knochen können freiliegen. Das Risiko schwerer Infektionen steigt deutlich an, da Krankheitserreger leichter in tiefes Gewebe eindringen können. Dekubitalgeschwüre dieser Kategorie erfordern meist eine langwierige Behandlung und häufig auch operative Maßnahmen.
  • Nicht klassifizierbar: Manchmal ist die Wunde vollständig von abgestorbenem Gewebe oder von festhaftenden Belägen bedeckt. Ein dunkler, trockener Schorf kann ebenfalls den Blick versperren. Dadurch lässt sich nicht beurteilen, wie tief die Schädigung tatsächlich reicht, bis die Beläge entfernt wurden. Erst nach Entfernung dieser Beläge kann der Dekubitus einer der Kategorien 1 bis 4 zugeordnet werden.
  • Tiefe Gewebeschädigung: Eine besondere Form ist die tiefe Gewebeschädigung. Die Haut kann zunächst noch intakt erscheinen, obwohl in den tieferen Gewebeschichten bereits erhebliche Schäden entstanden sind. Typisch sind dunkel verfärbte Hautbereiche oder blutgefüllte Blasen. Diese Veränderungen können sich in kurzer Zeit zu einem ausgedehnten Dekubitus entwickeln.

Wie Ärzte einen Dekubitus beurteilen

Eine möglichst frühe Diagnose verbessert die Heilungschancen erheblich. Deshalb beschränkt sich die Untersuchung nicht allein auf die sichtbare Wunde, sondern umfasst auch den allgemeinen Gesundheitszustand sowie mögliche Risikofaktoren. Wenn eine Wunde schwer einzuordnen ist, wird häufig ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten hinzugezogen, um eine präzise dermatologische Abklärung zu gewährleisten.

Klinische Untersuchung

  • Hautinspektion: Zunächst beurteilt der Arzt die betroffene Hautstelle. Dabei werden Größe, Lage, Tiefe, Farbe und Beschaffenheit der Wunde dokumentiert. Auch angrenzende Hautbereiche werden sorgfältig untersucht.
  • Fingertest: Besteht lediglich eine Hautrötung, kann der sogenannte Fingertest helfen. Dabei wird kurz Druck auf die gerötete Stelle ausgeübt. Verschwindet die Rötung nicht, spricht dies für einen Dekubitus der Kategorie 1.
  • Palpation: Zusätzlich tastet der Arzt die Haut vorsichtig ab. Temperaturunterschiede, Verhärtungen oder weiche Gewebebereiche liefern wichtige Hinweise auf den Zustand der tieferen Gewebeschichten.

Wundbeurteilung

Bei offenen Druckgeschwüren werden unter anderem Wundtiefe, Beläge, Wundrand, Wundsekret sowie mögliche Infektionszeichen beurteilt. Diese regelmäßige Dokumentation ermöglicht es, den Heilungsverlauf objektiv nachzuverfolgen.

Zur Einschätzung des individuellen Dekubitusrisikos wird häufig die Braden-Skala verwendet. Sie berücksichtigt unter anderem Mobilität, Aktivität, Hautfeuchtigkeit, Ernährung sowie die Einwirkung von Reibung und Scherkräften. Je niedriger die erreichte Punktzahl, desto höher ist das Risiko für die Entstehung eines Dekubitus. Die Skala ersetzt jedoch nicht die klinische Beurteilung, sondern ergänzt sie.

Wann weitere Untersuchungen notwendig werden

Besteht der Verdacht auf eine Infektion, können Wundabstriche helfen, den verantwortlichen Erreger nachzuweisen und eine geeignete Antibiotikatherapie auszuwählen.

Bei sehr tiefen Wunden oder bei Verdacht auf Knochenbeteiligung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Je nach Fragestellung können Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein.

Hat sich die Entzündung bereits bis in die Knochen ausgebreitet, spricht man von einer Osteomyelitis. Diese Komplikation erfordert meist eine umfangreiche medizinische Behandlung.

Behandlung eines Dekubitus

Die Behandlung richtet sich nach der Art und dem Schweregrad der Gewebeschädigung, dem Allgemeinzustand des Betroffenen sowie nach möglichen Begleiterkrankungen. Ziel ist es, den Druck dauerhaft zu beseitigen, die Wunde zu heilen und Komplikationen zu vermeiden. Bei einem fortgeschrittenen Dekubitus ist eine interdisziplinäre und engmaschige Versorgung unverzichtbar. Die umfassende Therapie eines Dekubitus erfordert daher stets ein strukturiertes Vorgehen.

Druck sofort reduzieren

Keine Wundauflage kann einen Dekubitus heilen, solange das betroffene Gewebe weiterhin unter Druck steht. Deshalb gehört die konsequente Druckentlastung zu jeder Behandlung.

Je nach Situation kommen Lagerungsmaßnahmen, spezielle Sitzkissen oder Antidekubitusmatratzen zum Einsatz. Welche Maßnahme sinnvoll ist, richtet sich nach der Beweglichkeit des Betroffenen und der Lage des Druckgeschwürs.

Moderne Wundversorgung

Heute wird ein Dekubitus in den meisten Fällen mit modernen Wundauflagen behandelt, die ein feuchtes Wundmilieu unterstützen. Dies fördert die Neubildung von Gewebe und schützt die Wunde vor dem Austrocknen.

  • Hydrogele spenden trockenen Wunden Feuchtigkeit und erleichtern die Ablösung abgestorbenen Gewebes.
  • Schaumverbände nehmen größere Mengen an Wundflüssigkeit auf und polstern zugleich empfindliche Körperstellen.
  • Alginate und Hydrofaserverbände eignen sich besonders bei stark nässenden Wunden, da sie große Flüssigkeitsmengen binden können.
  • Silberhaltige Auflagen werden zeitweise bei infizierten oder stark keimbelasteten Wunden eingesetzt, um die Keimzahl zu verringern.

Infektionen erkennen und behandeln

Nimmt die Wunde unangenehm riechendes Sekret ab, treten starke Schmerzen auf oder entwickelt sich Fieber, muss eine Infektion ausgeschlossen werden.

Je nach Befund reichen eine sorgfältige lokale Wundbehandlung und eine regelmäßige Reinigung aus. Bei tieferen oder ausgedehnten Infektionen kann zusätzlich eine antibiotische Behandlung erforderlich sein.

Schmerztherapie und operative Maßnahmen

Dekubitalgeschwüre können sowohl in Ruhe als auch beim Verbandswechsel erhebliche Schmerzen verursachen. Eine angemessene Schmerztherapie verbessert nicht nur die Lebensqualität, sondern erleichtert häufig auch die notwendige Wundversorgung und Mobilisation.

Große oder sehr tiefe Druckgeschwüre lassen sich manchmal nicht allein durch konservative Maßnahmen schließen. In solchen Fällen kann eine operative Versorgung erforderlich sein.

Dabei wird abgestorbenes Gewebe entfernt und der Defekt anschließend mit körpereigenem Gewebe verschlossen. Häufig kommen sogenannte Lappenplastiken zum Einsatz. Hierbei wird gut durchblutetes Muskel- oder Hautgewebe aus der Umgebung in den Wundbereich verlagert, um eine stabile Deckung zu erreichen.

Dekubitus vorbeugen in der häuslichen Pflege

Die wirksamste Behandlung eines Dekubitus besteht darin, sein Entstehen möglichst zu verhindern. Bereits einfache Maßnahmen können das Risiko deutlich senken.

  • Druckentlastung durch Bewegung: Lagerungsintervalle sollten stets am individuellen Risiko und am Hautzustand orientiert werden. Bewährt haben sich die 30-Grad-Lagerung sowie die Freilagerung gefährdeter Areale. Wo immer möglich, sollte die Eigenbewegung gefördert werden.
  • Regelmäßige Hautbeobachtung: Eine sorgfältige Inspektion hilft, frühe Anzeichen für einen Dekubitus rechtzeitig zu erkennen. Gefährdete Körperstellen, insbesondere empfindliche Bereiche am Gesäß, sollten täglich auf Rötungen, Verhärtungen oder Blasen untersucht werden.
  • Ernährung und Flüssigkeit: Eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Zufuhr von Energie und Eiweiß unterstützen die Erhaltung von Haut und Muskulatur. Gut durchfeuchtete Haut bleibt elastischer und widerstandsfähiger. Vitamine und Spurenelemente (wie Vitamin C oder Zink) unterstützen die Wundheilung gezielt bei nachgewiesenen Mängeln.

Mobilisation

Jede Form der Bewegung trägt dazu bei, Druckbelastungen zu verringern und die Durchblutung zu fördern. Selbst kleine Bewegungen im Bett oder kurze Gehstrecken können einen wichtigen Beitrag zur Dekubitusprophylaxe leisten.

Deshalb wird heute versucht, pflegebedürftige Menschen so früh und so regelmäßig wie möglich zu mobilisieren. Wo dies nicht eigenständig gelingt, unterstützen Pflegekräfte und Angehörige durch angepasste Lagerungs- und Bewegungsmaßnahmen.

Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe und Vorbeugung

Hilfsmittel können das Dekubitusrisiko deutlich senken, ersetzen jedoch weder regelmäßige Bewegung noch eine sorgfältige Hautbeobachtung. Ihr Ziel besteht darin, den Druck besser zu verteilen, gefährdete Körperstellen durch spezielle Matratzen oder Kissen zu entlasten und ein möglichst günstiges Hautklima zu gewährleisten.

Antidekubitusmatratzen

  • Schaumstoffmatratzen bestehen aus mehreren Schichten mit unterschiedlichen Härtegraden. Sie vergrößern die Auflagefläche und eignen sich für ein leichtes bis mittleres Risiko.
  • Wechseldruckmatratzen arbeiten mit mehreren Luftkammern, die sich zyklisch befüllen und entleeren. Sie verändern die Druckbelastung kontinuierlich und werden bei hohem Risiko eingesetzt.
  • Hybridmatratzen kombinieren druckverteilende Schaumstoffe mit luftgefüllten Kammern für hohen Liegekomfort und eine effektive Entlastung.

Sitzkissen und Fersenfreilagerung

Menschen, die täglich viele Stunden sitzen, benötigen häufig eine gezielte Druckentlastung an den Sitzbeinhöckern und am Steißbein.

Antidekubitus-Sitzkissen bestehen je nach Einsatzbereich aus Spezialschaum, Gel oder Luftkammern. Sie verteilen den Druck gleichmäßiger und können dadurch das Risiko für Druckgeschwüre deutlich reduzieren. Entscheidend ist jedoch eine korrekte Anpassung an Körpergewicht, Sitzhaltung und Mobilität.

Die Fersen gehören zu den Körperstellen mit hohem Risiko für einen Dekubitus. Da hier nur eine dünne Gewebeschicht zwischen Knochen und Haut liegt, reichen bereits vergleichsweise geringe Druckbelastungen aus, um die Durchblutung zu beeinträchtigen.

Spezielle Lagerungshilfen oder Fersenfreilagerungssysteme sorgen dafür, dass die Ferse vollständig entlastet wird und keinen direkten Kontakt mit der Matratze hat. Gewöhnliche Kissen unter den Unterschenkeln reichen dafür häufig nicht aus, da sie leicht verrutschen oder neue Druckstellen verursachen können.

Inkontinenzversorgung als Hautschutz

Bei Menschen mit Harn- oder Stuhlinkontinenz spielt die Hautpflege eine besonders wichtige Rolle. Feuchtigkeit weicht die obersten Hautschichten auf und erhöht die Anfälligkeit gegenüber Druck und Scherkräften. Dadurch steigt das Risiko für Hautschäden und die Entstehung eines Dekubitus.

Moderne Inkontinenzhilfsmittel nehmen Flüssigkeit nicht nur auf, sondern leiten sie auch möglichst schnell in den Saugkern weiter. Dadurch bleibt die Haut trockener und das Mikroklima im Intimbereich wird verbessert. Gleichzeitig unterstützen atmungsaktive Materialien den Luftaustausch und tragen dazu bei, Wärmestau und übermäßige Feuchtigkeit zu reduzieren.

Ebenso wichtig ist ein schonender Umgang mit der Haut. Milde Reinigungsprodukte und geeignete Hautschutzpräparate tragen dazu bei, den natürlichen Säureschutzmantel zu erhalten und einer Mazeration vorzubeugen.

Kann ein Dekubitus vollständig heilen?

Ob ein Dekubitus vollständig abheilt, hängt vor allem davon ab, wie früh er erkannt wird. Während oberflächliche Schäden oft folgenlos ausheilen, benötigen tiefe Defekte meist viele Wochen oder Monate. Die Wundheilung verläuft dabei in drei klassischen Phasen:

  • Exsudationsphase (Reinigungsphase): Der Körper schwemmt durch Wundflüssigkeit Bakterien und abgestorbenes Gewebe aus der Wunde.
  • Granulationsphase (Granulationsgewebe): Neues Bindegewebe und feinste Blutgefäße entstehen, um den Defekt von unten her aufzufüllen.
  • Epithelisierungsphase (Regeneration): Neue Hautzellen wandern vom Wundrand über die verbliebene Wundfläche und schließen die Wunde.

Eine konsequente Druckentlastung, eine optimierte Nährstoffzufuhr und die Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus sind die wichtigsten Säulen, um diesen Heilungsprozess optimal zu unterstützen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Behandlung von Dekubitus

Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus ist eine Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch länger anhaltenden Druck oder durch Druck in Kombination mit Scherkräften entsteht. Besonders betroffen sind Körperstellen über Knochenvorsprüngen, wenn sie über längere Zeit hinweg belastet werden und die Durchblutung gestört ist.

Wie beginnt ein Dekubitus?

Ein Druckgeschwür beginnt häufig mit einer umschriebenen Hautrötung, die sich selbst bei leichtem Druck nicht zurückbildet. Betroffene Hautstellen können sich wärmer, kälter, härter oder schmerzhafter anfühlen als die Umgebung. In tieferen Gewebeschichten können bereits Schäden vorliegen, obwohl die Haut äußerlich noch intakt wirkt.

Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Körperbereiche, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen. Dazu gehören unter anderem Kreuzbein, Fersen, Hüften, Sitzbeinhöcker, Knöchel, Ellenbogen und Schulterblätter. Welche Stellen belastet werden, hängt vor allem von der Liege- oder Sitzposition ab.

Kann ein Dekubitus vollständig heilen?

Ja, insbesondere in frühen Stadien heilen bei konsequenter Druckentlastung und angemessener Wundversorgung häufig vollständig ab. Tiefere Druckgeschwüre benötigen deutlich mehr Zeit und können Narben hinterlassen. Entscheidend sind eine frühzeitige Behandlung sowie die Beseitigung der auslösenden Druckbelastung.

Wie schnell entsteht ein Dekubitus?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Neben der Druckbelastung spielen die Dauer der Belastung sowie der Zustand des Gewebes eine wichtige Rolle. Menschen mit eingeschränkter Durchblutung, Mangelernährung oder starker Pflegebedürftigkeit entwickeln deutlich schneller Druckschäden als gesunde Personen.

Was ist der Unterschied zwischen Druck und Scherkräften?

Druck wirkt senkrecht auf das Gewebe und kann die Durchblutung behindern. Scherkräfte entstehen, wenn sich Haut und tiefer liegende Gewebeschichten gegeneinander verschieben. Dadurch werden die Blutgefäße zusätzlich verformt oder abgeknickt. Beide Mechanismen können gemeinsam die Entstehung eines Dekubitus begünstigen.

Welche Matratze hilft gegen Dekubitus?

Welche Antidekubitusmatratze geeignet ist, hängt vom individuellen Risiko und der Mobilität ab. Druckverteilende Schaumstoffmatratzen reichen bei geringem Risiko häufig aus. Bei hohem Risiko oder bereits bestehenden Druckgeschwüren kommen häufig Wechseldruck- oder Hybridmatratzen zum Einsatz.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn eine Hautrötung trotz Druckentlastung bestehen bleibt, offene Hautstellen entstehen oder Anzeichen einer Infektion wie Schmerzen, Fieber, Eiter oder ein unangenehmer Geruch auftreten. Je früher ein Dekubitus behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Studien und Quellen zu Dekubitusbehandlung

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